Die Arealentwicklung bildet den Auftakt für ein neues Stück Luzern. Ein Quartier, das durch seine Vielfalt besticht und die Wege zwischen Wohnen, Arbeit, Versorgung und Erholung kurz hält.

2016

Erstellung Wettbewerbsprogramm

2017

Ausschreibung Wettbewerb

2018

Halböffentliche Jurierung

2018

Dialogphase

2020

Gestaltungsplan

2021

Bau erste Etappe

2023

Bau zweite Etappe

mon oncle
Rolf Mühlethaler mit Christoph Schläppi

1. Preis Städtebau / Aussenraum sowie Gebäudetyplogie

Das Projekt zeugt von einer intensiven Auseinandersetzung mit der anspruchsvollen Aufgabenstellung. Dies zieht sich als roter Faden bis in die Grundrissplanung für die einzelnen Genossenschaften durch. Überzeugend wirken der feinfühlige Umgang mit Aussenräumen und Bestandsbauten. Die kleinkörnige Massstäblichkeit der Überbauung, der rücksichtsvolle Umgang mit dem Bestand sowie die abwechslungsreiche Freiraumstruktur aus Gassen, Plätzen und Gartenhöfen mit der Möglichkeit der Durchwegung des Areals in alle Richtungen schafft eine hohe Identifizierung mit dem Ort und der Nachbarschaft. Es wird ein stimmungsvolles, neues Ganzes geschaffen. Der Gedanke der Gemeinschaftlichkeit scheint hier realisierbar zu sein, ohne dem einzelnen Bewohner diesen Gedanken aufzwingen zu wollen.


Auszug aus dem Jurybericht

 

 

Ludoville
toblergmür Architekten GmbH

3. Preis Städtebau/Aussenraum sowie Auswahl Gebäudetypologie

Das Projekt «Ludoville» schafft mit seiner Hoffigur und der zentralen Erschliessung und klaren Tragkonstruktionen einen Ort mit grosser Identität. Die entstehenden Aussen- und Zwischenräume wirken wohl proportioniert und die Neubauten gehen rücksichtsvoll mit dem Bestand um. Die umfangreiche und detaillierte Ausarbeitung verschiedener Wohnungsgrössen und -typologien zeugen von einer vertieften Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen und Anforderungen der einzelnen Genossenschaften und künftigen Bewohner*innen. Individualflächen einsparen und Kollektivfläche maximieren – dieser Grundsatz wird konsequent umgesetzt.



Auszug aus dem Jurybericht

 

 

INDU
ro.ma architekten röösli-maeder GmbH Luzern

4. Preis Städtebau / Aussenraum sowie Auswahl Gebäudetypologie

Die stimmige Komposition aus sechs Häusern bildet einen luftigen und lichtdurchfluteten Freiraum, welcher überzeugend mit den öffentlichen Strassenräumen verbunden ist. Es entsteht ein vielfältiges Angebot an unterschiedlichen Plätzen und durchgrünten Höfen. Die Neubauten bilden zusammen mit den bestehenden Bauten auf dem strassenumfriedeten Schild eine Einheit. Die einzelnen Wohnungen weisen strukturell, räumlich und konstruktiv eine typologische Vielfalt sowie atmosphärische Qualitäten auf und gehen differenziert auf die einzelnen Bedürfnisse ein.Gesamthaft handelt es sich um eine äusserst sorgfältige Arbeit, die eine städtebaulich klare Haltung aufweist.

Auszug aus dem Jurybericht

 

 

Lage und Grundstück

8'700m2 Baugrund, Modell Industriestrasse

Das Industriestrassenareal befindet sich im südlichen Tribschen-Langensand-Quartier der Stadt Luzern am Fusse des Geissensteins. Angrenzend liegen die Quartiere Hirschmatt-Neustadt und Sternmatt. Das stadtzentrale Areal liegt nahe beim Bahnhof, der Innenstadt, dem See und den südlichen Hügelrippen des Geissensteins und der Wartegg. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Entwicklungsareale ewl, Steghof und Rösslimatt.

Das Industriestrassenareal wird umfasst von den Quartierstrassen Geissensteinring, Unterlachen-, Keller- und Industriestrasse. Innerhalb dieses Strassengevierts befinden sich entlang der Unterlachen- und Kellerstrasse private Grundstücke mit älteren Mehrfamilienhäusern und einem Haus mit Alterswohnungen der Luzerner Pensionskasse. Diese Grundstücke und Häuser sind nicht im Besitz der Kooperation, gehören aber zum Betrachtungsperimeter. Die zwei Liegenschaften Unterlachenstrasse 25 und 27 konnte die Genossenschaft Industriestrasse GWI im April 2017 erwerben.


Gebäudetypologie

Gaswerk-Areal um 1899

Das Industriestrassenareal ist geprägt durch eine bauliche Vielfalt und Heterogenität, herrührend von der ehemals gewerblichen Nutzung. Seit Ende der 1970er-Jahre wird das Areal durch vielerlei Kleingewerbe, Kulturschaffende und Wohnende zwischengenutzt.

Auf dem Areal befinden sich neben Gewerbebauten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschiedene Lagerschuppen, Hallenbauten, und Unterstände. Ein Teil der Gewerbebauten weisen Qualitäten auf, die eine Erhaltung rechtfertigen würden. Im Bauinventar der Stadt ist einzig das ehemalige Käselager Industriestrasse 9 als erhaltenswert klassiert.

ehemaliges Käselager

Industriestrasse 9

Das Käselager Industriestrasse 9, 1903-05 für den Käseexporteur Franz Dillier-Wyss erbaut, ist eines der ältesten, noch erhaltenen Gebäude des Industriegebietes Unterlachen. 1920 erfolgte ein Umbau für den Käsehändler Peter Bürki. Das charakteristische Lagergebäude mit einem Wohngeschoss im 1. OG erfuhr mehrere Umbauphasen. Dennoch ist ein grosser Teil der originalen Substanz aus der Bauzeit und älteren Umbauten erhalten geblieben und stellt ein wichtiges Bauzeugnis für das Quartier dar. Das Gebäude ist im Bauinventar der Stadt als erhaltenswert eingestuft und soll langfristig erhalten und denkmalpflegerisch saniert werden.

Pferdebestallung

Industriestrasse 9a

Im Jahre 1904 erstellte F. Dillier-Wyss einen Waschhaus-Anbau nordöstlich an das Käselager. Ein Jahr später folgte der Anbau eines zweigeschossigen Gebäudes mit Pferdestall und Wagenremise an das Waschhaus. Im Obergeschoss befanden sich mehrere Angestelltenzimmer, eine Küche und ein Lagerraum für Heu. Gemäss einem Baueingabeplan von 1922 zur Vergrösserung der Küblerei wurde das Obergeschoss umgebaut. 1928 erhielt das Gebäude einen Dachstock mit Satteldach.

Der Rossstall entspricht grösstenteils noch dem Originalzustand inklusive den Umbauten von 1922 und 1928. Er zeigt einen Zweckbau mit historisierenden Zier- und Konstruktionselementen. Seine Substanz und gestalterischen Qualität würden einen Erhalt rechtfertigen, der durch die teilnehmenden Teams im Wettbewerb zu prüfen ist.

Eisenwarenhandel

Industriestrasse 11

Der scheunenartige Bau gehört zu den ältesten Gebäuden auf dem Areal. Kurz nach 1900 richtete der Eisenhändler Josef Willmann-Ronca an der Industriestrasse 11 einen Lagerplatz für Grobeisen ein. 1918 ging die Eisenhandlung an die Firma Stocker & Co. über, die das Eisenlager bis 1962 an der Industriestrasse betrieb.

Getränkehandelsfirma

Industriestrasse 15

Karl E. von Vivis, Hersteller und Händler von mit Kohlensäure angereicherten Erfrischungsgetränken, errichtete 1911 ein Lager- und Bürogebäude an der Industriestrasse 15, nachdem die Lokalitäten an der Seidenhofstrasse 10 zu klein wurden. Im Jahre 1961 trat Charles B. von Vivis als Vertreter der dritten Generation in die Firma ein.

Im Jahre 1974 wurden die Fabrikations- und Abfüllanlagen der Vivis-Getränke stillgelegt und man verlegte den Firmensitz an die Obergrundstrasse 110. Die Firma beschränkte sich in der Folge auf den Handel mit Getränken. 1996 gingen die Aktien der Lufrisca von Vivis AG an die Brauerei Eichhof AG über.

Porzelanhandelsfirma

Industriestrasse 17

1903 ist das Gründungsjahr der Firma Bosshardt & Co., die an der Industriestrasse 17 einen Handel mit Glas-, Kristall-, Porzellan-, Keramik- und Metallwaren betrieb. Das Gebäude wurde 1912 erbaut, vermutlich als Aufstockung ab dem Hochparterre eines vormals bestehenden Gebäudes. Als Bauherrschaft trat die Deutsche Porzellanfabrik Weiden der Gebrüder Bauscher auf, deren Vertretung für die Schweiz Walther Bosshardt-Russi übernahm. Bis 1920 realisierten die Gebr. Bauscher noch mehrere Schuppen- und Lagerbauten an der ehemaligen Gasstrasse, heute Geissensteinring.

Um 1920 musste ein Besitzerwechsel von den Gebr. Bauscher zu Bosshardt & Co. stattgefunden haben, da ab 1924 für bauliche Erweiterungen die Firma Bosshardt & Co verantwortlich zeichnete. Gemäss Handelsregister wurde die Firma Bosshardt & Co AG 1994 mit einer Firma in Zürich fusioniert und aufgelöst.

Der Eckbau zeigt stilistische Merkmale aus der Zeit des deutschen Werkbundes, dessen Mitbegründer Peter Behrens war und der für die Firma Gebr. Bauscher bei der Gestaltung von Geschirr verantwortlich zeichnete.

Bei den drei Lagerbauten handelt es sich um Erweiterungen des Handelsgeschäfts Bosshardt & Co AG., die in mindestens zwei Etappen dem Hauptbau angefügt wurden. Der direkt an den Hauptbau anschliessende, dreischiffige Lagerbau wurde praktisch zeitgleich mit der Aufstockung des Hauptbaus erstellt und weist bauliche wie gestalterische Qualitäten auf.